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1990

1995

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​Da wollen sie ein dickes Hotel hinsetzen, und an unsere Gesundheit denkt keiner. Für eine halbe Stunde Schwimmen müssen wir zehn Kilometer fahren.

Eine ältere Dame bei der Radiosendung vor

dem Stadtbad 

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Es war eine schwierige Aufgabe, für ein solch komplexes Gebiet aus den 19 zu bewertenden Arbeiten die Preisträger zu ermitteln. Besonders schwierig war die Problemlösung durch das Stadtbad, das als erster Schwimmbad-Neubau in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Damals war es ein modernes Bad für den Leistungssport und gleichzeitig ein Hygienezentrum. Heute ist das Wasser nicht nur zum Schwimmen da. Die Menschen wollen auch ihren Spaß haben. Die Teilnehmer haben interessante Vorschläge für das Stadtbad gemacht. Es wurde vorgeschlagen, das Stadtbad innen zu halbieren. Auf der einen Seite das Schwimmbad, auf der anderen Seite könnten ein Kino, ein Konzertsaal oder eine Markthalle entstehen.

 

Prof. Thomas Sieverts, Vorsitzender der Jury

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Natürlich ist unsere Freude, die Freude innerhalb der „Interessengemeinschaft "Bochumer Bäder" sehr groß: Die Entscheidung für ein echtes Schwimmbad im alten Stadtbad ist mit der Preisverleihung des städtebaulichen Ideenwettbewerb gefallen. Unsere Initiative hat ein wesentliches Ziel erreicht – nach fast drei Jahren zähen und hartnäckigen Kampfes gegen manche verkrusteten Strukturen im Stadtrat, gegen Verzögerungstaktiken und sogar gegen persönliche Verunglimpfungen. […] Natürlich fängt die nächste Etage unserer Arbeit jetzt erst an: Wir alle wünschen uns jetzt eine zügige Planung, eine schnelle Finanzierung und einen baldigen Baubeginn. Das ist auch im Interesse der Bochumer Schulen, Schwimm- und Sportvereine. […] Bei dieser Planung stehen wir, die Interessengemeinschaft Bochumer Bäder, mit unserem Fachwissen gern zur Verfügung. […] Mit „Gut Naß!“ Sind wir, die Bochumer Bürgerinitiative, fürs Stadtbad.

 

Ruth Matzdorf, Vertreterin der Interessengemeinschaft Bochumer Bäder

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Aus der Not eine Tugend machen, das könnten jetzt Rat und Verwaltung der Stadt im Stadtbad an der Massenbergstraße. Nachdem sich die Suche nach einem privaten Investor erwartungsgemäß als Holzweg herausgestellt hat, sind nun Phantasie und Einfallsreichtum gefordert. Sparsam und unter Verwendung der bereitliegenden Landesmittel für den Denkmalschutz kann ein einfacher, weniger aufwendiger Badebetrieb entstehen, eingebettet in Dienstleistungsbetriebe wie Massage- und Arztpraxen, Milchbar und Boutiquen usw. Mit knappen Finanzen haushälterisch umgehen, verlangt Ideen vom Stadtrat und der Verwaltung, nicht nur den dikken Rotstift.

 

Ruth Matzdorf, Vertreterin der Interessengemeinschaft Bochumer Bäder

zitiert nach: „Fürs Stadtbad aus Not eine Tugend machen“. In: WAZ (13.03.1993).

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Unsere Vorstellungen zur Wiedereröffnung des Bades lassen sich mit sparsamen Mitteln, gemäß der schlechten Finanzlage der Stadt, verwirklichen.

Ruth Fricke-Matzdorf, Vorsitzende der Initiative

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"Es ist eine Schande, daß es in der Bochumer Innenstadt kein vernünftiges Bad mehr gibt." Bis zur Schließung des Bades sei sie regelmäßig schwimmen gegangen. Jetzt sei ihr das wegen der großen Entfernungen zu umständlich.

Rentnerin aus Grumme

zitiert nach: „Das Stadtbad wird vermißt“.

In: WAZ (02.03.1994).

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Eine traurige Geschichte, die sich mittlerweile schon sechs Jahre hinzieht, scheint jetzt ihr nicht minder trauriges Ende zu finden. Vor sechs Jahren war es der Stadtentwicklungsminister, der den Rettungsanker geworfen hatte, jetzt ist es wieder der Minister, der alle Leinen kappt. […] Die Verwaltung in dem Fall hat nie den Willen erkennen lassen, dem wegen finanzieller Ebbe im Haushalt trockengelegten Stadtbad eine Chance zu geben.

 

Gerhard Dietz

zitiert nach: „Traurige Geschichte“. In: Bochumer Anzeiger (29.06.1994).

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Wir wollen einen quälend lange laufenden Diskussionsprozess zu einem sinnvollen Abschluß bringen.

 

Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber

Vom Ideenwettbewerb zur Abriss-Planung

Dass das Stadtbad Bochum unter Denkmalschutz gestellt wurde, war ein erster Erfolg für die Interessengemeinschaft Bochumer Bäder. Doch der Kampf, dass das Stadtbad auch wieder eröffnet würde, war in vollem Gange. Ein halbes Jahr nach dem Eintrag in die Denkmalliste kam die WDR 2-Radiosendung Bürger und Bürokraten nach Bochum vor das Stadtbad mit dem Thema „Vor der Zerreißprobe? – Das soziale Netz und die Zuwanderer“. Aufgebrachte Bürger:innen nutzten diese Gelegenheit, um erneut die Wiedereröffnung des Stadtbads zu fordern. Der Tenor bei der Veranstaltung war – so die WAZ: „Das Stadtbad wurde nur mit Über- und Aussiedlern belegt, um erst einmal die Denkmalschutzsdiskussion vom Tisch zu haben.“

 

„Wie sich die Zeiten und Meinungen ändern: War das Bochumer Stadtbad noch vor zwei Jahren von den Sozialdemokraten und der Mehrheit der Union im Rat trockengelegt worden, ist man sich jetzt offenbar einig darüber, einen Teil des Denkmals doch wieder ,unter Wasser’ zu setzten“, schrieb die WAZ am gleichen Tag, denn auf einer Podiumsdiskussion der Jungen Union sprachen sich Politiker für eine Wiedereröffnung des Stadtbads aus. Zur Planung der Wiederöffnung und Wiederherstellung des Stadtbads wurde ein Wettbewerb ausgerufen, in dem das Areal um das Stadtbad neu gestaltet werden sollte. Die Resultate sollten im darauffolgenden April eingehen und von da an würde man sich vier Jahre Zeit nehmen, um das Stadtbad umzubauen, was natürlich auf Buh-Rufe der Bochumer Bürger:innen traf. Wenigstens eine Teil-Öffnung müsste schneller vonstattengehen.

 

Im Mai 1991 war es dann so weit und die Ergebnisse des Wettbewerbs wurden von den elf Juroren nach zehn Stunden Tagung bekannt gegeben. Die Gewinner waren Volker von Haas und Cornelia Jung aus Köln. Sie wollten die alte Stadtgrenze zwischen Stadtbad und Stadtwerkehaus wieder freilegen, einen Steingarten anlegen und dem Bad ein Glasdach geben. Das Stadtbad selbst sollte neben dem Sportbad eine Erlebnislandschaft mit Spaßbad bekommen. In dem neu entstandenen Stadtbad sollte durch Palmen, Pflanzentröge, Sauna und durch ein Dampfbad eine „Atmosphäre von Ferien in den Tropen“ – so die Ruhr-Nachrichten – entstehen. Außerdem sollten ein Fitness-Studio, ein Massagesalon, ein Friseur, maximal acht Artztpraxen im Obergeschoss und für die „geistige Gesundheit“ im westlichen Teil ein Lesesaal entstehen.

Der dritte Preis wurde ebenfalls als sehr vielversprechend angesehen: der Velberter Dr. Krieger wollte das Stadtbad in Gesundheitsbad, Sportbad und Läden teilen. Neben der Ladenpassage sollte auch eine Cafeteria entstehen. Der westliche Teil sollte als Therapie- und Gesundheitsbad wiederaufleben. Außerdem böte das Stadtbad genügend Platz für ein Kino und eine Diskothek. Für den besonderen, exotischen Schliff sorgte dieser Beitrag auch: Eine der Schwimmhallen sollte zu einem „pflanzenbestandenen Teich“ – so die Ruhr-Nachrichten – umgewandelt werden und eine Quelle im Stadtbad sollte als Bach nach draußen fließen. 

Die Juroren entschieden sich, dass für die letztendliche Nutzung des Stadtbads ein Mittelweg aus den oben genannten Alternativen gewählt würde. Dabei sollten Armaturen, Kacheln und einige der alten Wannenbäder erhalten bleiben und so wären die Ideen auch denkmalkonform.

Über das weitere Vorgehen schrieb die WAZ: „Stadtbaurat Helmut Ahuis will die Pläne in Kürze dem Stadtentwicklungs- und Sportausschuß vorstellen.“ So könnte im gleichen Jahr noch eine Beschlussvorlage dem Rat vorliegen und das Geld für die Renovierung aus Köln beantragt werden.

Das Bestreben der Bochumer Bürger:innen wurde auch von dem Deutschen Schwimmverband gesehen. Klaus Henner, damaliger Präsident des Deutschen Schwimmverbandes, zeichnete deshalb Ruth Matzdorf wegen „ihrer Verdienste um den Schwimmsport mit der Silberne des DSV“ – so die WAZ 1992 – aus. Das war aber natürlich kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Der Kampf ging weiter.

 

Und so leitete auch die Stadt Bochum 1992 (endlich) weitere Schritte ein: In der Sitzung des Hauptausschusses am 23.09.1992 wurde die Suche nach Investoren beschlossen. Die aus dem Ideenwettbewerb mit dem ersten Preis gekrönte Arbeit sollte dabei als Leitlinie gelten. Die Forderungen waren zahlreich: Sowohl ein Schwimmbad als auch „Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebote[…]“ – so die WAZ – müsste ein potentieller Investor abdecken. Außerdem sollte die konkrete Planung natürlich auch noch denkmalkonform sein und der Investor müsste einen genauen Zeitplan vorlegen.

 

Kein Wunder, dass bis Anfang des darauffolgenden Jahres alle zehn bundesweiten Investoren absprangen. Für den SPD-Fraktionschef Heinz Hossiep war klar, dass der Denkmalschutz das Problem sei und er nutzte die Gelegenheit, um seine Prioritäten klarzustellen: „Wenn der Denkmalschutz einschließlich Badebetrieb zu einer unüberwindbaren Hürde für private Investitionen wird, dann müssen wir uns von Wunschvorstellungen trennen. Im Zweifelsfalle halte ich die Aufrechterhaltung des Bades für wichtiger als städtebauliche Nostalgie“, so wurde Hossiep der WAZ nach „wörtlich“ zitiert.

 

 

 

Trotzdem wollte die Stadt zunächst beim Land nachfragen, ob die von dem ehemaligen Minister Zöpel versprochenen 10 Mio DM noch zur Verfügung stünden beziehungsweise, in welcher Höhe sie ausfallen würden, denn eine finanzielle Förderung hätten die Investoren nicht berücksichtigt. 

Die Bochumer Bäderinitiative war von den Nachrichten nicht begeistert; für sie war die Stadt an den Versäumnissen schuld und müsste endlich die Planungen rund um das Stadtbad nicht nur halbherzig voranbringen.

 

Kurze Zeit später – die Interessengemeinschaft Bochumer Bäder hatte mal wieder die Fäden selbst in die Hand genommen – wurde ein weiterer Entwurf für das zukünftige Zentralbad eingereicht, diesmal von dem Bochumer Architekten Holger Rübsamen. Um das Stadtbad Bochum wieder attraktiv (und finanzierbar) zu machen, sollte ein Café mit Terrassen, zu dessen beiden Seiten sich Läden erstrecken, entstehen. Für den sportlichen Teil des Stadtbads wurde eine innovative Lösung vorgeschlagen: Das Stadtbad sollte in drei Teile geteilt werden; links befände sich eine Schwimmhalle mit Umkleiden, in der Mitte ein Fitnessstudio und rechts ein „ausgedehnter Saunabereich mit Massagepraxis, Whirlpool, Mutter- und Kinderbereich und einem Saunahof“, so berichtete die WAZ über den Vorschlag der Bochumer Bürger. Alle drei Teile sollten durch eine Gastronomie verbunden werden. Der Denkmalschutz wurde berücksichtigt und Glasdächer sollten – als eine Art Tribut an die Markisen der Ladenlokale – vor das Stadtbad gesetzt werden. Damit das Stadtbad noch mehr zu bieten hätte, wurde – laut WAZ – für den Keller ein großer Veranstaltungsraum wie beispielsweise ein „Jazz- oder Rock-Keller“ vorgesehen.

 

Wie so häufig unterstrich die Bochumer Bäderinitiative ihr Anliegen nachhaltig. Am 03.07.1993 trugen Mitglieder der Bürgerinitiative, Vertreter der drei Ratsfraktionen und Bürgermeister Gerhard Zehnter, der – laut Ruhr-Nachrichten – fünf Jahr zuvor gegen die Schließung des Bades „votiert“ habe, Eimer, gefüllt mit Wasser aus dem „Brunnen des Glücks“, zum Stadtbad, um sie dort in aufblasbare Planschbecken zu füllen. Die Botschaft wurde glasklar: Die Bochumer forderten die Wiederauffüllung mindestens eines Beckens. Jeder Eimer hatte aber noch eine andere symbolische Bedeutung, nämlich sollte – wie die Ruhr-Nachrichten berichteten – „[j]eder Eimer dieser Kette, so die Initiative, […] zugleich als ein Eimer ,über den Kopf der Stadtväter’ betrachtet werden – zum Aufwachen“ von „halbherzigen Planungs-Wettbewerben und der ,Fata Morgana’ eines Investors“. 

 

Die Stadt ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und beauftragte ein Wirtschaftlichkeitsgutachten. Anfang 1994 lag es der Stadt vor, die es allerdings nicht an die „parlamentarischen Gremien“ weiterleitete, so die WAZ. Das Gutachten sah schwarz für den Bereich an der Massenbergstraße: Obwohl die millionenschwere Förderung bereits inbegriffen war, kamen die Gutachter – wie dem Gutachten wörtlich zu entnehmen ist – zu folgendem Ergebnis:

 

Keine der Wirtschaftlichkeitsberechnungen für […] das Stadtbad Bochum (Schwimmbad und Gewerbefläche) weist bei Vollkostenrechnung einen Überschuss aus – die ausgewiesenen Verluste sind z.T. erheblich. Ein kostendeckender Eintrittspreis für das Schwimmbad müßte bei der maximal absetzbaren durchschnittlichen Besucherfrequenz von 300 Personen pro Tag 49,00 DM betragen.

 

SPD-Fraktionschef Heinz Hossiep betonte zu diesem Anlass erneut, dass man über die Denkmalwürdigkeit des Stadtbads nachdenken müsste. Anders das Land, das Anfang des Jahres die Förderung des Erhalts des Stadtbads versicherte: „Die Zusage, beim Erhalt des Denkmals zu helfen, gilt auch heute noch“, so der Sprecher des Ministeriums für Stadtentwicklung und Verkehr, Michael Gaetdke, laut der WAZ.

 

In einem offenen Brief an Kommunal- und Landespolitiker wendeten sich die Bochumer Bäderinitiative und die Kortum-Gesellschaft einige Monate später an die Öffentlichkeit. Beide Initiativen bzw. Vereine betonten erneut, dass das Stadtbad wieder nutzbar und ertragreich gemacht werden könnte. Immerhin lägen ja genug ausgearbeitete Konzepte zu einer Nutzung des Stadtbads vor.

 

In einem weiteren Brief keine Woche später stellte die Kortum-Gesellschaft ein weiteres Konzept vor:

 

Unser Konzept basiert auf dem Pilotprojekt des Landes NW “Friedrichsbad Essen“, das nach ähnlichen Schwierigkeiten, wie sie unser Stadtbad hatte, seit 1987 wieder läuft. […] Wir schlagen für das Stadtbad Bochum einen kleineren Badebereich vor, als es im Wettbewerb geplant war, so daß der nach dem Assmann-Gutachten rentable gewerbliche Bereich vergrößert werden kann. […] Gegenüber dem Essener Friedrichsbad, wo dieses Modell [, bei dem der Stadtsportbund als Pächter fungiert und Sponsoren dazu beitragen, die Betriebskosten decken,] funktioniert, hat das Stadtbad den großen Vorteil, zentral zu liegen und als einziges Bad in Bochum über eine Tribüne zu verfügen.

 

Außerdem verwiesen sie auf den Stuttgarter Prof. Dr. Durth, der – in einem anderen Brief – bekundete, dass das Stadtbad denkmalwürdig sei und er es auf Exkursionen häufig als Vorzeigeobekt zeigen würde. Ebenfalls seien Prof. Dr. Petsch und Dr. Pehnt gegen den Abriss des Stadtbads gewesen.

 

Nur wenige Tage nach den zahlreichen Bemühungen wurden die Bochumer Bürger:innen stark enttäuscht, als die obere Denkmalbehörde verkündete, dass sie sich einem Abriss nicht in den Weg stellen würde, da weder ein Investor noch eine sonstige Lösung „in Sicht wäre“, so der Stadtspiegel Bochum. Die obere Denkmalbehörde verwies allerdings auf den Minister, der das letzte Wort habe. Allerdings sei von ihm keine andere Entscheidung zu erwarten.

 

Etwas mehr als ein Jahr später nahm die Entscheidungsfindung rund um das Stadtbad eine erstaunliche Schnelligkeit an. Am 15.11.1995 berichtete die WAZ, dass in der folgenden Woche der Kulturausschuss zum Thema „Tilgung aus der Denkmalliste und Abriß“ des Stadtbads eine Entscheidung treffen würde. Die Bochumer Verwaltung hatte dem bereits zugestimmt. Das Stadtbad sollte der „Stadtloggia“, einem Großkino-Komplex mit acht Kinosälen mit insgesamt 2.200 Besucherplätzen, einem Boulevardtheater mit 400 Plätzen für das Theater Comödie, Gastronomiebetrieben und anderen Freizeiteinrichtungen sowie einer goßen gläsernen Empfangshalle, die als „Kommunikationsraum“ – so die WAZ – dienen sollte, weichen. Das Trilsbach-Projekt, das von den gleichen Investoren wie dem benachbarten Luxus-Hotel geplant wurde, sollte den Bereich um das Stadtbad wieder mit Leben füllen.

 

Und tatsächlich stand in der Beschlussvorlage des Kulturausschusses Folgendes:

„6. Die Untere Denkmalbehörde beabsichtigt daher, die Erlaubnis zum beantragten Abbruch gem. § 9 Abs. 1 a Denkmalschutzgesetz NW (DSchG) zu erteilen und nach erfolgtem Abbruch das Gebäude aus der Denkmalliste zu löschen“

Für die Kortum-Gesellschaft und die Bäderinitiative waren die folgenden Worte vermutlich auch nicht allzu zufrieden stellend:

„5. Vor einem Abbruch des Stadtbadgebäudes wird eine umfassende Fotodokomentation durchgeführt; ebenso werden Teile der Einrichtung/Ausstattung ausgebaut, um sie für die Nachwelt zu sichern.“

 

Die Beschlussvorlage wurde dann am 22.11.1995 verabschiedet. „Der Kulturausschuss will dem Abbruch des Stadtbades an der Massenbergstraße nicht im Wege stehen“, so die Ruhr-Nachrichten. „Die Denkmalwürdigkeit wurde im Ausschuß nicht angezweifelt. Die Begründung für die Löschung aus der Denkmalliste findet sich schließlich im Unterschied zwischen Denkmalschutz und Denkmalpflege.“

Wie so häufig waren auch hier die Prozesse rund um das Stadtbad nicht mit dem normalen Ablauf vereinbar: Der Kulturausschuss stimmte dem Abriss und der Streichung aus der Denkmalliste zu, bevor die spätere Nutzung überhaupt vereinbart wurde. 

 

Dem Kulturausschuss folgte am 28.11.1995 der Ausschuss für Stadtentwicklung, Arbeit und Wirtschaft unter harscher Kritik der oppositionellen CDU, der Grünen und der Bäderinitiative. Auch in der Bezirksvertretung Mitte, die dem Abriss des Stadtbads zustimmte, wurde die SPD stark kritisiert, unter anderem dafür, dass Projekte anderer Investoren wie der Entwurf der Bochumer

„Häusser Bau“ – die später noch einmal von zentraler Wichtigkeit werden würde – nicht genug berücksichtigt worden waren.

 

„Ihre Interessen sind verschieden, doch sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: Bochums Kinobetreiber und die Bäderinitiative versuchen, den von Verwaltung und Sozialdemokraten anvisierten Bau eines Kinozentrums auf dem Stadtbad-Gelände zu verhindern“, so schrieben die Ruhr-Nachrichten über die neuentstandene Allianz aus Kinobetreibern und der Bäderinitiative. Durch die Stadtloggia würde es zu einer Marktüberfüllung kommen und alteingesessene Kinos würden darunter leiden.

 

Für einen wahren Skandal sorgte das Stadtbad Ende des Jahres 1995: „Im Fadenkreuz der Beschuldigungen steht der ehemalige Wirtschafts- und jetzige Ordnungsdezernent Wolfgang Möller sowie der Amtsleiter für Liegenschaften, Verwaltungsdirektor Heinz Wiesmann“, so die WAZ.

Nach einem Streit zwischen den Investoren, der zu einer Trennung führte, reichten die Bochumer Hotelbetreiber Simmes und Jaeschke eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen einer Rechnung ein, die den Besuch eines „stadtbekannt[n] Bordell[s] in Berlin“ – so die WAZ – belege. 

Möller rechtfertigte sich der WAZ gegenüber wie folgt: „Nach dem Abendessen im Hotel, das ich selbst bezahlt habe, sind wir in eine Nachtbar gegangen. Da waren natürlich auch Mädchen. Ich habe da Bier und Sekt getrunken. Mir war nicht geheuer. Ich bin deshalb nach einer Stunde um ein Uhr morgens wieder gegangen.“

Oberbürgermeister Stüber sprach von einer „Schlammschlacht“ – so die WAZ weiter – und leitete eine disziplinarrechtliche Untersuchung ein.

Heinz Hossiep erläutert, warum der Denkmalschutz seiner Meinung nach die Verwendung des Stadtbads verhinderte:

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Cover: bospect. Das Magazin für die Bochumer Kulturszene (Sammlung Hans H. Hanke)

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​​Ich finde es erfreulich, daß es – von fast allen Bürgern Bochums gutgeheißen – wieder ein zentrales Stadtbad geben wird. Vertreten von einer ausdauernden Bürgerinitiative, hat sich die Meinung der Mehrheit durchgesetzt. […] Der Erfolg der „Interessengemeinschaft Bochumer Bäder“ ist ermutigend für alle Bürgerinitiativen, die sich für gutbegründete, allgemein anerkannte Anliegen einsetzen.

Jürgen H. Jackel

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[Das Stadtbad Bochum ist ein] Höhepunkt der Bautechnik, weil es für spätere Anlagen vorbildlich wurde.

Ministeriumssprecher Michael Gaedtke

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Die Verwaltung hat ein halbes Jahr ihre Aufgabe, den Ausbau des Stadtbades voranzutreiben, nicht erfüllt … Jetzt will sie den schwarzen Peter an einen Investor weiterschieben.

 

Ruth Matzdorf von der Bochumer Bäderinitiative

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Der Denkmalschutz verhindert die Verwertung des Stadtbades, sagte Herr Hossiep im Stadtentwicklungsausschuß?! Völlig falsch: Ein Investor erhält für die Nutzung des Stadtbades zehn Mio DM Zuschüsse des Landes – nur weil das Stadtbad ein Denkmal ist. Der Investor erhält an die zwanzig ausführungsfähige und realistische Umbaupläne aus dem landesweiten Architektenwettbewerb zur Nutzung des Stadtbades – nur weil das Stadtbad ein Denkmal ist! […] Jeder, der die städtische Politik um das meisterhafte Bad verfolgt, weiß: Die Stadt findet keinen Interessenten, weil sie wohl keinen finden will. Auch die Diffamierung des Denkmalschutzes kann von dieser Fehlleistung der Stadt gegenüber dem nachhaltig erklärten Interesse der Bochumer Bürger nicht ablenken.“

Dr. Hans H. Hanke, Kortum-Gesellschaft 

zitiert nach: „Die Stadt will das Stadtbad nicht“ In: WAZ (09.03.1993).

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Für uns [ist] die bisherige

Verzögerung völlig unverständlich.

Die 10 Millionen DM Landesmittel liegen doch bereit. Aber die Stadt will das Bad wohl mit aller Gewalt weghaben.

 

Dr. Hans Hanke, 2. Vorsitzender der [Kortum-]Gesellschaft.

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[Die jüngsten Berichte] haben bei den Seniorenschwimmern alte Wunden aufgerissen.

Anwohner aus Gerthe zum angedachten Abriß

zitiert nach: „Das Stadtbad wird vermißt“.

In: WAZ (02.03.1994).

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Gleich zweierlei fiele mit dem Stadtbad[:] Ein städtebauliches Denkmal der 50er Jahre und jede Chance auf ein vernünftiges zentrales Schwimmbad. [...] Die vielen Bürger unserer Stadt wissen genau, daß die Stadtväter in erster Linie eines abreißen wollen – das Denkmal ihrer eigenen Unbeweglichkeit und Einfallslosigkeit. Abreißen passe genau dazu.

Ruth Fricke-Matzdorf

zitiert nach: „IG Bäder: Abreißen paßt zur Stadtpolitik“. In: Stadtspiegel Bochum (05.03.1994).

Herr Dr. Hans H. Hanke berichtet über die gesamte Zeit des Kampfes um den Erhalt des Stadtbads von 1988 bis 1998.

ACHTUNG: Spoileralarm!

(Inhalt wird vorweg gegriffen)

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Oh Schreck, oh Graus, oh Jammer, was haben wir für eine Städtekammer. Die Stadt macht einfach alles platt, der Bürger ist da schach und matt! Es wird mal laut, mal leis gekräht, als ob alles nichts gekostet hätt. Mein Fleiß und Schweiß in großem Maß, hat mich gekostet dieser Spaß. Ich half hier mit als Junggeselle, zu bauen dieses Prachtgestelle. Nun stirbt das schöne Denkmal ab, es wird ein traurig Trümmergrab.

Maurermeister i. R., Johannes Simonsmeier

zitiert nach: „Zum Tode geweiht“. In: WAZ (30.11.1995).

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Brief ohne Betreff. Von: Prof. Dr.-Ing. Werner Durch. An: Kortum-Gesellschaft Bochum e. V. (09.06.1994).

 

Brief ohne Betreff. Von: Kortum-Gesellschaft. An: Oberbürgermeister Heinz Eickelbeck und Oberstadtdirektor Dr. Buckhard Dreiher (23.06.1994).

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Der oben stehenden Text beruht auf:

„Erregung vor dem Stadtbad“. In: WAZ (10.10.1990).

 

„Nasse Zukunft für das Stadtbad“. In: WAZ (10.10.1990).

 

„Denkmal-Schützer kritisieren Hotel“. In: WAZ (11.01.1991).

 

„Alte Stadtgrenze wieder ,sichtbar’“. In: Bochumer Anzeiger (25.05.1990).

 

„Leserecho“. In: (1991)

 

„Altes Stadtbad verspricht neues Badeerlebnis unter Glas zu werden“. In: WAZ (25.05.1991).

 

„Zum ,Tropenurlaub’ in das Stadtbad“. In: Ruhr-Nachrichten (1991).

 

„Leserecho“. In: Bochumer Anzeiger (01.06.1991).

 

„Ruth Matzdorf mit Silbernadel geehrt“. In: WAZ (30.06.1992).

 

„Die Stadt sucht Investoren für Stadtbad-Umbau“. In: WAZ (24.09.1992).

 

„Stadtbad-Stille“. In: WAZ (26.02.1993).

 

„Investoren für das Stadtbad springen alle ab“. In: WAZ (27.03.1993).

 

„Die Stadt will das Stadtbad nicht“ In: WAZ (09.03.1993).

 

„Fürs Stadtbad aus Not eine Tugend machen“. In: WAZ (13.03.1993).

 

„Wettbewerb: Baden unter dem Glasdach“. In: WAZ (27.03.1993).

 

„Initiative schlägt Sportzentrum im alten Stadtbad vor“. In: WAZ (05.04.1993).

 

„Morgen ,Eimerkette’ ins alte Stadtbad“. In: Ruhr-Nachrichten (02.07.1993).

 

„Aktion: Wasser eimerweise zum Stadtbad getragen“. In: Ruhr-Nachrichten (05.07.1993).

 

„Das Stadtbad wird vermißt“. In: WAZ (02.03.1994).

 

„Verwaltung geht bei Stadtbad auf Abrißkurs“. In WAZ (23.02.1994).

 

„IG Bäder: Abreißen paßt zur Stadtpolitik“. In: Stadtspiegel Bochum (05.03.1994).

 

„,Denkmalwertes Stadtbad muß erhalten bleiben“. In: WAZ (16.06.1994).

 

„Traurige Geschichte“. In: Bochumer Anzeiger (29.06.1994).

 

„Stadtbad: Hoffnungen werden immer kleiner“. In: Stadtspiegel Bochum (02.07.1994).

 

„Großkino soll auf Stadtbadareal: Abrißbrine droht“. In: WAZ (15.11.1995).

 

„Abriß: Stadtbad muß Kino-Palast weichen“. In: WAZ (29.11.1995).

 

„Großkino soll Leben in die City bringen“. In: WAZ (29.11.1995).

 

„Beschluss nach sieben Jahren: ,Stadtloggia’ ersetzt Stadtbad“. In: Ruhr-nachrichten (29.11.2995).

 

„Zum Tode geweiht“. In: WAZ (30.11.1995).

 

„SPD-Mehrheit für die ,Stadtoggia’“. In: Ruhr-nachrichten (08.12.1995).

 

„,Stadtloggia treibt Kino in die Pleite’“ In: WAZ (08.12.1995).

 

„Großkino findet nicht nur Beifall“. In: WAZ (09.12.1995).

 

„Massiver Protest gegen neues Multiplex-Kino“. In: Ruhr Nachrichten (12.12.1995).

 

„Holiday-Inn heißt plötzlich ,Event’“. In: WAZ (13.12.1995).

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ASSMANN BERATEN + PLANEN GmbH: Zusammenfassung. Sanierung Stadtbad Bochum. Neubau Tiefgarage. (Februar 1994).

 

Stadt Bochum: Beschlussvorlage der Verwaltung (Vorlage Nr. 1995/2379). (08.11.1995).